UV- und IR-Strahlung im Cannabis-Anbau: Wirkung, Studien und warum Kontrolle entscheidend ist

UV- und IR-Strahlung im Cannabis-Anbau: Wirkung, Studien und warum Kontrolle entscheidend ist

Danijel Budic

UV- und Infrarotstrahlung (Far-Red) werden im modernen Cannabis-Anbau und bei LED Growlampen häufig als leistungssteigernde Faktoren beworben. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt jedoch ein deutlich differenzierteres Bild: Beide Spektren sind nicht per se Treiber von Ertrag oder Photosynthese, sondern wirken als regulatorische bzw. stressinduzierende Signale. Ihr Nutzen hängt vollständig von Dosierung, Timing und Kontrolle ab.

UV-Licht im Cannabis-Anbau: kontrollierter Stress statt Leistungssteigerung

UV-Strahlung (insbesondere UV-A im Bereich um 395 nm) wird in LED Growlampen für Cannabis häufig integriert. Physiologisch wirkt sie jedoch nicht als photosynthetische Energiequelle, sondern als Stressor, der Schutzreaktionen in der Pflanze auslöst.

Studien wie Rodriguez-Morrison et al. (2021) zeigen klar:
Eine dauerhafte oder unkontrollierte UV-Exposition kann die Photosyntheseleistung reduzieren und zu Ertragseinbußen führen. Gleichzeitig zeigen neuere Arbeiten mit praxisnäheren Spektren, etwa Huebner et al. (2024), dass gezielt eingesetztes, überwiegend UV-A-basiertes Licht unter moderaten Intensitäten sekundäre Pflanzenstoffe wie Terpene beeinflussen kann.

Genau hier liegt das Problem vieler Cannabis Growlampen:
UV ist fest im Spektrum integriert und läuft dauerhaft mit. In diesem Fall wirkt es nicht als präzises Werkzeug, sondern als permanenter Stressfaktor.

Systeme wie die PROBUD® BLACK ARGUS EVO PRO Serie verfolgen deshalb einen anderen Ansatz:
UV ist kein statischer Bestandteil, sondern ein separat steuerbarer Kanal. Dadurch kann es gezielt eingesetzt oder komplett deaktiviert werden, je nach Phase und Zielsetzung.

Far-Red (730 nm) im Cannabis Grow: Signalwirkung statt zusätzlicher Leistung

Far-Red-Strahlung (ca. 730 nm) liegt außerhalb des klassischen PAR-Bereichs, beeinflusst jedoch zentrale Steuerungsprozesse über das Phytochrom-System.

Das Verhältnis von Rot zu Far-Red bestimmt unter anderem:

  • Streckungswachstum (Internodienlänge)
  • Übergang in die Blütephase
  • Anpassungsreaktionen an Lichtkonkurrenz

Forschungsergebnisse, etwa von Zhen & Bugbee (2020), zeigen, dass Far-Red in Kombination mit PAR-Licht die Lichtnutzung beeinflussen kann. Entscheidend ist jedoch immer das Verhältnis im Gesamtsystem.

Wird Far-Red dauerhaft und unkontrolliert eingesetzt, führt dies häufig zu unerwünschtem Stretch und instabiler Pflanzenstruktur. Auch hier zeigt sich: Ohne Steuerung kann ein grundsätzlich sinnvolles Spektrum negative Effekte haben.

Warum feste LED Growlampen Spektren oft mehr schaden als nutzen

Ein häufiger Fehler im LED-Design ist die Annahme, dass ein möglichst breites, dauerhaft aktives Spektrum automatisch bessere Ergebnisse im Cannabis-Anbau liefert.

Die wissenschaftliche Realität ist das Gegenteil:

  • UV wirkt bei Dauerbetrieb eher negativ als positiv
  • Far-Red entfaltet seine Wirkung nur im richtigen Verhältnis und Timing
  • Der Haupttreiber bleibt weiterhin PAR-Licht

Viele LED Growlampen für Cannabis kombinieren zwar alle Spektren, lassen aber keine gezielte Steuerung zu. Dadurch laufen alle Wellenlängen gleichzeitig, unabhängig davon, ob sie in der jeweiligen Phase sinnvoll sind.

Das wird oft als Feature dargestellt, ist in der Praxis jedoch häufig nichts anderes als nicht kontrollierbares Zusatzlicht ohne echten Mehrwert.

Kontrolle als entscheidender Faktor im modernen Cannabis Grow

Ein sinnvoller Ansatz besteht darin, Spektren nicht statisch zu integrieren, sondern dynamisch steuerbar zu machen.

Die PROBUD® BLACK ARGUS EVO PRO Serie setzt genau hier an:

  • separater Kanal für vegetatives Wachstum
  • separater Kanal für Blüte
  • separater Kanal für UV und Far-Red

Dadurch entsteht ein System, in dem:

  • UV gezielt und kurzzeitig eingesetzt werden kann
  • Far-Red kontrolliert zur Steuerung von Morphologie genutzt wird
  • das PAR-Spektrum unabhängig davon optimal bleibt

Diese Trennung erlaubt eine Anpassung an die tatsächlichen physiologischen Bedürfnisse der Pflanze, anstatt ein fixes Spektrum vorzugeben.

Fazit

UV- und IR-Strahlung sind keine universellen Leistungsbooster im Cannabis-Anbau, sondern spezialisierte Werkzeuge. Ihr Nutzen entsteht nicht durch bloße Integration, sondern durch präzise Kontrolle.

Systeme ohne steuerbare Kanäle verschenken dieses Potenzial oder erzeugen sogar negative Effekte durch Dauerexposition. Erst durch getrennte Steuerung lassen sich diese Spektren sinnvoll in ein optimiertes Grow-System integrieren.

Damit verschiebt sich der Fokus weg von „mehr Spektrum“ hin zu „mehr Kontrolle“ und genau das entspricht dem aktuellen Stand der Forschung.

Quellen

Huebner, D. S., Batarshin, M., Beck, S., König, L., Mewis, I. & Ulrichs, C. (2024).
Influence of different UV spectra and intensities on yield and quality of cannabis inflorescences.
Frontiers in Plant Science, 15, 1480876.
https://doi.org/10.3389/fpls.2024.

1480876

Rodriguez-Morrison, V., Llewellyn, D. & Zheng, Y. (2021).
Cannabis Inflorescence Yield and Cannabinoid Concentration Are Not Improved with Long-Term Exposure to Short-Wavelength Ultraviolet-B Radiation.
Preprints.org.
https://doi.org/10.20944/preprints

202106.0317.v1

Zhen, S. & Bugbee, B. (2020).
Far‐red photons have equivalent efficiency to traditional photosynthetic photons: Implications for redefining photosynthetically active radiation.
Plant Cell & Environment, 43(5), 1259–1272.
https://doi.org/10.1111/pce.13730

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